Mittwoch, 22. Februar 2012
Samstag, 4. Februar 2012
Dienstag, 24. Januar 2012
Sonntag, 1. Januar 2012
Freitag, 9. Dezember 2011
Leben - Eine Anthologie (letzte Folge)
Wie der Tod in die Welt kam
(Sage aus einem Gebiet nördlich des Äquators)
So ist es überliefert. Gott Soko erschuf zuerst die Schildkröte Dagbatschi, dann die Menschen und am Ende die Steine. Soko machte von jeder Art einen Mann und eine Frau; von Schildkröte, Mensch und Stein. Nacheinander, in dieser Reihenfolge, erweckte er sie zum Leben, nur die Steine nicht. Aber keiner konnte Kinder haben. Wer alt geworden war, den machte Soko wieder jung. Das wiederholte sich. Kinder waren nicht nötig.
Dagbatschi die Schildkröte ging zu Soko. "Ich könnte ein Kind brauchen", sagte Dagbatschi.
"Wozu willst du ein Kind haben?".
"Du weisst", antwortete Dagbatschi, "dass ich schlecht laufen kann. Es ist recht mühsam für mich und meine Frau. Aber manchmal haben wir Besorgungen zu machen. Ein Kind könnte die Botengänge übernehmen."
Soko dachte nach. "Ich habe nicht vorgesehen", antwortete er, "euch Kinder zu geben."
Dagbatschi ging nach Hause. Bald darauf stand er wieder vor Gott. "Es wäre schön, wenn wir ein Kind hätten", sagte er, "oder vielleicht mehrere. Das wäre sehr nützlich Gott."
Soko regte sich auf. "Warum kommst du angelaufen und willst Kinder haben?"
"Es wäre sehr praktisch, Gott. Sie könnten manches helfen, und wir wären nicht so allein. Wenn ich alt bin..."
"... wirst du wieder jung."
"Wenn ich alt bin, ehe ich wieder jung werde, kann ich kaum bis zur Wasserstelle gehen. Mir tun die Beine weh, weil mein Körper so schwer ist. Manchmal lieg ich stundenlang in der prallen Sonne und komme nicht vom Fleck. Es ist eine rechte Plage, das musst du zugeben. Gib mir ein paar Kinder Soko!"
Das Gesicht des Gottes war ernst, als er entgegnete: "Weisst du nicht Dagbatschi, dass alle Leute, die Kinder zur Welt bringen, sterben müssen? Früher oder später!"
Dagbatschi glotzte Soko an und nickte.
"Bist du bereit zu sterben, falls ich dir ein Kind schenke?"
"Wenn meine Frau schwanger ist, kannst du mich sterben lassen."
"Schick mir die Menschen!"
Der Mann und die Frau kamen. Soko räusperte sich. "Dagbatschi sagt, er will Kinder haben. Was ist mit euch?"
"Es wäre gut Kinder zu haben, Herr", antwortete die Frau. "Wenn mein Mann auf der Jagd ist, bin ich alleine zu Hause. Das Kind, wenn es ein Mädchen ist, könnte mir bei der Arbeit helfen. Ich wäre nicht so allein."
"Und wenn es ein Sohn ist", fügte der Mann hinzu, "könnte er mir auf der Jagd das Wild zutreiben und den Korb tragen. Wenn ich dann alt bin und meine Hände zittern, geht er für mich auf die Jagd. Es ist sehr praktisch, Kinder zu haben."
Soko fragte: "Seid ihr auch bereit, dafür zu sterben?"
"Ja" antworteten die Menschen.
Der Mann sagte: "Wenn wir erst Kinder haben, macht es mir nichts mehr aus."
Die Steine lagen am Boden und redeten kein Wort. Soko rief sie an: "Ihr schweigt? Wollt ihr auch Kinder haben und dann sterben?"
Aber das wollten die Steine auf keinen Fall. Da entschied Soko: "Es soll so sein, wie ihr es haben wollt!"
Dagbatschis Frau wurde schwanger, und drei Monate später starb er. Als sie ihre Kinder auf die Welt brachte, war er bereits tot. Auch die Menschenfrau wurde schwanger und gebar Kinder. Ihr Mann starb bald darauf. Sie nahm sich einen anderen Mann, denn sie konnte die Kinder nicht alleine ernähren.
Nur die Steine sterben nicht, und sie haben auch keine Kinder.
(Sage aus einem Gebiet nördlich des Äquators)
So ist es überliefert. Gott Soko erschuf zuerst die Schildkröte Dagbatschi, dann die Menschen und am Ende die Steine. Soko machte von jeder Art einen Mann und eine Frau; von Schildkröte, Mensch und Stein. Nacheinander, in dieser Reihenfolge, erweckte er sie zum Leben, nur die Steine nicht. Aber keiner konnte Kinder haben. Wer alt geworden war, den machte Soko wieder jung. Das wiederholte sich. Kinder waren nicht nötig.
Dagbatschi die Schildkröte ging zu Soko. "Ich könnte ein Kind brauchen", sagte Dagbatschi.
"Wozu willst du ein Kind haben?".
"Du weisst", antwortete Dagbatschi, "dass ich schlecht laufen kann. Es ist recht mühsam für mich und meine Frau. Aber manchmal haben wir Besorgungen zu machen. Ein Kind könnte die Botengänge übernehmen."
Soko dachte nach. "Ich habe nicht vorgesehen", antwortete er, "euch Kinder zu geben."
Dagbatschi ging nach Hause. Bald darauf stand er wieder vor Gott. "Es wäre schön, wenn wir ein Kind hätten", sagte er, "oder vielleicht mehrere. Das wäre sehr nützlich Gott."
Soko regte sich auf. "Warum kommst du angelaufen und willst Kinder haben?"
"Es wäre sehr praktisch, Gott. Sie könnten manches helfen, und wir wären nicht so allein. Wenn ich alt bin..."
"... wirst du wieder jung."
"Wenn ich alt bin, ehe ich wieder jung werde, kann ich kaum bis zur Wasserstelle gehen. Mir tun die Beine weh, weil mein Körper so schwer ist. Manchmal lieg ich stundenlang in der prallen Sonne und komme nicht vom Fleck. Es ist eine rechte Plage, das musst du zugeben. Gib mir ein paar Kinder Soko!"
Das Gesicht des Gottes war ernst, als er entgegnete: "Weisst du nicht Dagbatschi, dass alle Leute, die Kinder zur Welt bringen, sterben müssen? Früher oder später!"
Dagbatschi glotzte Soko an und nickte.
"Bist du bereit zu sterben, falls ich dir ein Kind schenke?"
"Wenn meine Frau schwanger ist, kannst du mich sterben lassen."
"Schick mir die Menschen!"
Der Mann und die Frau kamen. Soko räusperte sich. "Dagbatschi sagt, er will Kinder haben. Was ist mit euch?"
"Es wäre gut Kinder zu haben, Herr", antwortete die Frau. "Wenn mein Mann auf der Jagd ist, bin ich alleine zu Hause. Das Kind, wenn es ein Mädchen ist, könnte mir bei der Arbeit helfen. Ich wäre nicht so allein."
"Und wenn es ein Sohn ist", fügte der Mann hinzu, "könnte er mir auf der Jagd das Wild zutreiben und den Korb tragen. Wenn ich dann alt bin und meine Hände zittern, geht er für mich auf die Jagd. Es ist sehr praktisch, Kinder zu haben."
Soko fragte: "Seid ihr auch bereit, dafür zu sterben?"
"Ja" antworteten die Menschen.
Der Mann sagte: "Wenn wir erst Kinder haben, macht es mir nichts mehr aus."
Die Steine lagen am Boden und redeten kein Wort. Soko rief sie an: "Ihr schweigt? Wollt ihr auch Kinder haben und dann sterben?"
Aber das wollten die Steine auf keinen Fall. Da entschied Soko: "Es soll so sein, wie ihr es haben wollt!"
Dagbatschis Frau wurde schwanger, und drei Monate später starb er. Als sie ihre Kinder auf die Welt brachte, war er bereits tot. Auch die Menschenfrau wurde schwanger und gebar Kinder. Ihr Mann starb bald darauf. Sie nahm sich einen anderen Mann, denn sie konnte die Kinder nicht alleine ernähren.
Nur die Steine sterben nicht, und sie haben auch keine Kinder.
Donnerstag, 8. Dezember 2011
Leben - Eine Anthologie (Fortsetzung 6)
Der Tod ist eine absolute Grenze.
Alles was wir aufbauen, ist zum Vornherein
durch ihn zum Untergang verurteilt.
Werner Kaiser?
Die Welt ist leer, kalt und feindlich.
Nur das ist sinnvoll, was ich selber als
sinnvoll erkläre.
Jean-Paul Sartre
Es ist feige, dem Leben einen Sinn unter - zuzuschreiben. Das Leben ist sinnlos, absurd. Der Mensch soll diese Absurdität aushalten, er darf sich moralisch nicht unterkriegen lassen. Er soll gross und stark untergehen.
Albert Camus
Sorglos eilen wir in den Abgrund, nachdem wir etwas vor uns aufgebaut, was uns hindert, ihn zu sehen.
Pascal
Man stelle sich eine Anzahl Menschen vor,
in Ketten gelegt und alle zum Tod verurteilt,
von denen immer einige Tag für Tag
vor den Augen der anderen erdrosselt
werden; so dass die, die zurückbleiben,
ihre eigene Lage in der ihresgleichen sehen
und voller Schmerz und ohne Hoffnung
aufeinander schauen und warten, dass
die Reihe an sie komme. Das ist
ein Bild der Lage des Menschen.
Pascal
Der Glaube den ich meine, ist nicht leicht in Worte zu bringen. Man könnte ihn etwa so ausdrücken:
Ich glaube, dass trotz des offensichtlichen Unsinns des Lebens, das Leben dennoch einen Sinn hat, ich ergebe mich darein, diesen letzten Sinn mit dem Verstand nicht erfassen zu können, bin aber bereit, ihm zu dienen, auch wenn ich mich dabei opfern muss. Die Stimme dieses Sinnes höre ich in mir selbst, in den Augenblicken, wo ich wirklich ganz lebendig und wach bin. Was in diesen Augenblicken das Leben von mir abverlangt, will ich versuchen zu verwirklichen, auch wenn es gegen die üblichen Moden und Gesetze geht. Diesen Glauben kann man nicht befehlen und sich nicht zu ihm zwingen. Man kann ihn nur erleben.
Hermann Hesse
Die Krähen schrein
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt;
bald wird es schnein,
wohl dem, der jetzt noch Heimat hat !
Nun stehst du starr,
schaust rückwärts, ach! wie lange schon?
Was bist du Narr
vor Winters in die Welt entflohn?
Die Welt - ein Tor
zu tausend Wüsten stumm und kalt
Wer das verlor,
was du verlorst, macht nirgends Halt.
Nun stehst du bleich,
zur Winter-Wanderschaft verflucht,
dem Rauche gleich,
der stets nach kältern Himmeln sucht.
Flieg, Vogel, schnarr
dein Lied im Wüstenvogel-Ton;
Versteck, du Narr,
dein blutend Herz in Eis und Hohn
Die Krähen schrein
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
bald wird es schnein,
weh dem, der keine Heimat hat.
Friedrich Nietzsche
Alles was wir aufbauen, ist zum Vornherein
durch ihn zum Untergang verurteilt.
Werner Kaiser?
Die Welt ist leer, kalt und feindlich.
Nur das ist sinnvoll, was ich selber als
sinnvoll erkläre.
Jean-Paul Sartre
Es ist feige, dem Leben einen Sinn unter - zuzuschreiben. Das Leben ist sinnlos, absurd. Der Mensch soll diese Absurdität aushalten, er darf sich moralisch nicht unterkriegen lassen. Er soll gross und stark untergehen.
Albert Camus
Sorglos eilen wir in den Abgrund, nachdem wir etwas vor uns aufgebaut, was uns hindert, ihn zu sehen.
Pascal
Man stelle sich eine Anzahl Menschen vor,
in Ketten gelegt und alle zum Tod verurteilt,
von denen immer einige Tag für Tag
vor den Augen der anderen erdrosselt
werden; so dass die, die zurückbleiben,
ihre eigene Lage in der ihresgleichen sehen
und voller Schmerz und ohne Hoffnung
aufeinander schauen und warten, dass
die Reihe an sie komme. Das ist
ein Bild der Lage des Menschen.
Pascal
Der Glaube den ich meine, ist nicht leicht in Worte zu bringen. Man könnte ihn etwa so ausdrücken:
Ich glaube, dass trotz des offensichtlichen Unsinns des Lebens, das Leben dennoch einen Sinn hat, ich ergebe mich darein, diesen letzten Sinn mit dem Verstand nicht erfassen zu können, bin aber bereit, ihm zu dienen, auch wenn ich mich dabei opfern muss. Die Stimme dieses Sinnes höre ich in mir selbst, in den Augenblicken, wo ich wirklich ganz lebendig und wach bin. Was in diesen Augenblicken das Leben von mir abverlangt, will ich versuchen zu verwirklichen, auch wenn es gegen die üblichen Moden und Gesetze geht. Diesen Glauben kann man nicht befehlen und sich nicht zu ihm zwingen. Man kann ihn nur erleben.
Hermann Hesse
Die Krähen schrein
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt;
bald wird es schnein,
wohl dem, der jetzt noch Heimat hat !
Nun stehst du starr,
schaust rückwärts, ach! wie lange schon?
Was bist du Narr
vor Winters in die Welt entflohn?
Die Welt - ein Tor
zu tausend Wüsten stumm und kalt
Wer das verlor,
was du verlorst, macht nirgends Halt.
Nun stehst du bleich,
zur Winter-Wanderschaft verflucht,
dem Rauche gleich,
der stets nach kältern Himmeln sucht.
Flieg, Vogel, schnarr
dein Lied im Wüstenvogel-Ton;
Versteck, du Narr,
dein blutend Herz in Eis und Hohn
Die Krähen schrein
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
bald wird es schnein,
weh dem, der keine Heimat hat.
Friedrich Nietzsche
Sonntag, 20. November 2011
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