Ein wunderbarer Frühlingssamstag. 21 Grad im Schatten, die Sonne kitzelt beim ersten Kaffee in der Nase. Händereiben und sich am Ausblick laben ist angesagt. Kübelpflanzen raus? Nein noch nicht, aber Gartenmöbel putzen und an die Sonne stellen. Frischgewaschene Bettwäsche an die wunderbare Luft hängen. Vorher die Wiese kürzen, sonst kommt der Rasen-Mäher nicht mehr durch. All das geht mir durch den Kopf.
Da klingelt das Telefon. Eine männliche Stimme meldet sich. „Ich habe ihnen eine ganz traurige Nachricht.“ Verdattert höre ich zu. Mein zukünftiger Arbeitgeber M.A. hat sich in der Nacht von Sonntag auf Montag umgebracht. Das kriege ich mit. Eine Lawine von Gedanken überstürzt mein Hirn. Der Mann sagt viel mehr, nicht alles erreicht mich.
Am 21.3.2011, just zu Frühlingsbeginn beobachtete ich über Tweetdeck, wie M.A. auf Facebook traurige (Liebeslieder) postete. Den Post „ich kann nicht mehr“ wollte ich spontan kommentieren. Es ging nicht. Auf der Facebook-Seite sah ich, die „Freundschaft“ ist abgebrochen. Das berührte mich und brachte mich in seltsame, innere Aufruhr. Tut man das, als zukünftiger Arbeitgeber, kurzerhand abbrechen? Per Screenshot hielt ich einen Post fest und überlegte mir Nächstentags anzurufen, um mich zu erkundigen, was los war. Ich hatte ein äusserst mulmiges Gefühl.
Doch am nächsten Morgen beschloss ich ruhig Blut zu bewahren und erst einmal abzuwarten. Am 31.3.2011 sollte nämlich mehr zu erfahren sein. Die Betriebsbewilligung für das Arbeitsprojekt war vom zuständigen Kantonalen Amt noch nicht gegeben. Die Voraussetzungen mit dem Projekt zu beginnen, waren hingegen erfüllt. So schrieb ich M.A. am 31.3. eine Mail, fragte nach Neuigkeiten und beiläufig danach, was kürzlich bei Facebook geschehen sei. Keine Antwort...
Nun habe ich eine Antwort. Und die Frage, ob sich ruhig Blut bewahren immer bewährt. Und ich habe den Post „ich kann nicht mehr“ und Zugang zu Youtube und das Wissen, sechs Tage nach dem Post hat sich M.A. das Leben genommen.
Ich kann nicht mehr