Samstag, 2. April 2011

Traurige Nachricht

Ein wunderbarer Frühlingssamstag. 21 Grad im Schatten, die Sonne kitzelt beim ersten Kaffee in der Nase. Händereiben und sich am Ausblick laben ist angesagt. Kübelpflanzen raus? Nein noch nicht, aber Gartenmöbel putzen und an die Sonne stellen. Frischgewaschene Bettwäsche an die wunderbare Luft hängen. Vorher die Wiese kürzen, sonst kommt der Rasen-Mäher nicht mehr durch. All das geht mir durch den Kopf.

Da klingelt das Telefon. Eine männliche Stimme meldet sich. „Ich habe ihnen eine ganz traurige Nachricht.“ Verdattert höre ich zu. Mein zukünftiger Arbeitgeber M.A. hat sich in der Nacht von Sonntag auf Montag umgebracht. Das kriege ich mit. Eine Lawine von Gedanken überstürzt mein Hirn. Der Mann sagt viel mehr, nicht alles erreicht mich.

Am 21.3.2011, just zu Frühlingsbeginn beobachtete ich über Tweetdeck, wie M.A. auf Facebook traurige (Liebeslieder) postete. Den Post „ich kann nicht mehr“ wollte ich spontan kommentieren. Es ging nicht. Auf der Facebook-Seite sah ich, die „Freundschaft“ ist abgebrochen. Das berührte mich und brachte mich in seltsame, innere Aufruhr. Tut man das, als zukünftiger Arbeitgeber, kurzerhand abbrechen? Per Screenshot hielt ich einen Post fest und überlegte mir Nächstentags anzurufen, um mich zu erkundigen, was los war. Ich hatte ein äusserst mulmiges Gefühl.
Doch am nächsten Morgen beschloss ich ruhig Blut zu bewahren und erst einmal abzuwarten. Am 31.3.2011 sollte nämlich mehr zu erfahren sein. Die Betriebsbewilligung für das Arbeitsprojekt war vom zuständigen Kantonalen Amt noch nicht gegeben. Die Voraussetzungen mit dem Projekt zu beginnen, waren hingegen erfüllt. So schrieb ich M.A. am 31.3. eine Mail, fragte nach Neuigkeiten und beiläufig danach, was kürzlich bei Facebook geschehen sei. Keine Antwort...

Nun habe ich eine Antwort. Und die Frage, ob sich ruhig Blut bewahren immer bewährt. Und ich habe den Post „ich kann nicht mehr“ und Zugang zu Youtube und das Wissen, sechs Tage nach dem Post hat sich M.A. das Leben genommen. Ich kann nicht mehr

Samstag, 1. Januar 2011

Wahrnehmung eines Augenblicks auf der Autobahn, 1.1.11

Bequem und entspannt sitze ich im Auto. Der Tempomat verrichtet seine Arbeit zu meiner Zufriedenheit. Es dämmert, die Landschaft zieht vorüber, kein Verkehr. Ich halte einzig das Steuerrad. Noch liegt Schnee, der Hochnebel ist zäh. Die Fahrt durchbricht laufend Grenzen, lautlos gleitet das Auto dahin. Musik erklingt aus den Lautsprechern und lässt in mir die Sehnsucht erwachen, nie mehr bremsen zu müssen. Weiter, weiter durch die Jungfräulichkeit der Dämmerung und des ersten Tages in unbekannte Richtung. Oder ist's in Richtung Unendlichkeit?

Sonntag, 19. Dezember 2010

Sonntag, 4. Advent

Was für ein Tag: während andere in den Geschäften nach Geschenken stöberten oder an Weihnachtsmärkten Glühwein schlürften, Grossmütter oder Mütter besuchten, habe ich gar nichts gemacht. Weder gebastelt, noch geschrieben, keine Musik gehört, auch nicht getwittert und schon gar nicht bei fb rein geschaut. Auch den Kachelofen habe ich nicht eingeheizt, es ist warm genug. Zum Fenster hinaus geschaut habe ich nicht, wenigstens nicht bewusst, unbewusst gehts gar nicht anders, bei der Prachtsaussicht.

Im Ofen bruzzelt grade ein Schweinsnierbraten. Immerhin, den habe ich mariniert und in den Ofen gestopft, sogar Wein dazu gegossen. Geduscht habe ich auch. Sonst nichts.

Trotzdem oder deswegen, ich bin zufrieden. Nun werde ich gleich vier Kerzen anzünden, zum Mahl und dieses geniessen. Wenn das kein besinnlicher Tag war, ganz bei mir, "nur" bei Lust und Liebe!

Freitag, 10. Dezember 2010

Gestern und heute vor der Haustüre (Der schöne Augenblick)

Vor DIESER Haustür!







Wacholderdrosseln? Hab ich noch nie zuvor gesehen!


Mittwoch, 8. Dezember 2010

Reaktion auf Männig's Blog-Eintrag "On the Internet, nobody knows you’re a dog"

(http://maennig.de/notizen/nobody-knows/)

Ich kam 2007 mit Chats und schliesslich Social Web in Berührung. Damals war ich im Endspurt meines Studiums Soziale Arbeit. Mit dem PC und Mac seit 1985 auf Du und Du, war ich völlig fasziniert von dieser neuen Kommunikationsform, zumal ich am Schreiben meiner Bachelorarbeit war. Thema: "Sexuelle Ausbeutung an Jungen", ein Tabuthema. Ich suchte jede Gelegenheit, mich von der Bachelorarbeit und meinem Thema abzulenken und begann mich ziemlich exzessiv mit den diversen Formen der Social Media zu beschäftigen und schrieb entsprechend offen und auf Teufel komm raus. Natürlich wurde ich oft gefragt, was ich im Leben beruflich tue und ich erklärte mich entsprechend. So öffneten sich für mich unerwartet viele Menschen, Frauen wie Männer und beschrieben mir mehr oder weniger detailliert, in welcher Form sie Betroffene seien. Wie sich "männiglich" vorstellen kann, ist Sexuelle Ausbeutung folgenreich und wirkt sich entsprechend auf die Psyche aus.

Männig stellt folgende These auf:

"Die Quote von Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Auffälligkeiten (»F-Diagnosen«) ist in den sozialen Netzen im Bereich des Internets auffällig höher als in der Gesamtbevölkerung."

Durch diese, etwas einseitige Themenbrille neigte ich zu der genannten, exzessiven Social-Web-Zeit dazu, Männigs These zu bestätigen und wurde immer neugieriger. Ich begann regelrechte "Gesellschaftsforschung"zu betreiben. Natürlich war ich laienhaft und sehr subjektiv. Die Dialoge zwischen den unterschiedlichsten Menschen und mir waren teils sehr intim. Beidseits wurde nicht dran gespart, das Innere nach aussen zu kehren und Bedürfnisse anzusprechen, obwohl oder weil man sich nie gesehen hatte. Damit lernte ich immer mehr, einen inneren Filter zu gebrauchen. Später spürte ich, wann und welche Kontakte, resp. welche Plattformen im Internet gut tun und welche ich besser bleiben lass. Alles eine Frage von Nähe - Distanz und von Toleranz. Ich hatte und habe gute und schlechte Erlebnisse mit Menschen, ob sie psychisch angeschlagen waren und sind oder mit beiden Beinen im Leben stehen. Und Hand aufs Herz: wer führt ein Leben ohne Krisen? Und wer hatte im Leben nie psychische Schwierigkeiten? Kommt die Frage dazu, ist Psychiatrie eine exakte Wissenschaft? Dienen F-Diagnosen nicht bestens dazu, Stigmatisierung zu fördern?

Doch zurück zu Männig's These. Ich gewann ebenfalls den Eindruck, dass ein Grossteil intensiver Nutzer von Social Medias, etwelche psychische Schwierigkeiten hat oder in einer Krise steckt. Nur wäre hier zu erforschen, wie gross ist der Anteil der Gesamtbevölkerung, die das Internet wenig nutzt und mit genau denselben Schwierigkeiten lebt.

Schliesslich die letzten Fragen: wie weit tut intensives Tummeln im Internet gut? Wie wirkt es sich auf die Psyche aus, mit hunderten oder gar tausenden über z.B. Twitter oder Facebook "befreundet" zu sein?


Ich freue mich über menschliche Kontakte und pflege diese (wenns auch "nur" verhältnismässig wenige sind), ob dies nun uralte Freundschaften und Bekanntschaften seien oder neuere, auch im Internet geknüpfte. Auch da stiess ich auf absolut tolle und spannende Menschen, der Austausch stimmt und die psychische Verfassung spielt dabei keine Grundsatzrolle.