Am Strande
Heute sah ich wieder dich am Strand
Schaum der Wellen dir zu Füssen trieb.
Mit den Fingern grubst du in den Sand
Zeichen ein, von denen keines blieb.
Ganz versunken warst du in dein Spiel
Mit der ewigen Vergänglichkeit.
Welle kam und Stern und Kreis zerfiel
Welle ging und du warst neu bereit.
Lachend hast dich zu mir gewandt
Ahntest nicht den Schmerz, den ich erfuhr:
Denn die schönste Welle zog zum Strand
Und sie löschte deiner Füsse Spur.
Marie Luise Kaschnitz
Vergänglichkeit
Vom Baum des Lebens fällt
Mir Blatt um Blatt
O taumelbunte Welt,
wie machst du satt
Wie machst du trunken
Was heute noch glüht,
ist bald versunken.
Bald klirrt der Wind
Über dein braunes Grab,
Über das kleine Kind
Beugt sich die Mutter herab.
Ihre Augen will ich wiedersehen,
Ihr Blick ist mein Stern,
Alles andere mag gehen und verwehn,
Alles stirbt, alles stirbt gern.
Nur die ewige Mutter bleibt,
Von der wir kamen,
Ihr spielender Finger schreibt
In die flüchtig Luft unsere Namen.
Hermann Hesse
Sich niederlegen
Sich niederlegen
mit den schrecklichen Flügeln der Zeit.
Erwachen
mit dem kindlichen Willen zur Ewigkeit.
sterben
mit dem geduldigen Wissen des Nichts.
Bleib lippenkühler Krug.
Bleib Phantom der Hoffnung.
Weiche nicht Glaube
denn mein Lager ist weich.
Du bist schlafen gegangen.
Du wirst schlafen gehen auch morgen,
vielleicht noch unzählige Male
in der zählbaren Zeit,
Vielleicht diese eine Mal noch:
Heute...
Aber furchtbarer ist es,
den leeren Krug vor der Tür zu finden,
mit brennenden Lippen den vergeblichen Namen
der Geliebten zu rufen,
die dich nicht kennt,
weil niemand dich kennt.
Aber du musst sie wecken.
Preisen musst du
die mondbleiche Amme der Zeit,
die schmächtige Nymphe des Nichts,
die das Vergängliche nährt.
Du wirst dich niederlegen müssen
auf die Lippen des Schlafs:
Mensch, Träumer und Tyrann,
Die Krüge vor deiner Tür sind leer.
Peter Jokostra
Dienstag, 15. November 2011
Donnerstag, 13. Oktober 2011
Leben - Eine Anthologie (Fortsetzung 3)
Ich verbrenne mein Leben
Ich verbrenne mein Leben
um gegen die Nächte anzukommen -
Ich öffne die Stunden
damit sie duften
Ich flechte dem Morgen
Zärtlichkeiten ins Haar
Ich winke mit Worten
Ich winke mit Träumen
Ich schliesse mich
in meine Hoffnung ein.
Werner Lutz
Vo mim Fänschter uus gsehn ich Mänsche,
schwarzi Silhuette wo uf dä Schtrass schpaziered.
Im Hindergrund Schnee.
Ich chann nur graui, wiisi und schwarzi Farbe underscheide.
Bald wirds ganz dunkel sii,
ich werde kei Silhuette meh chönne erkänne.
Ich warte uf morn,
bis mich dä Tag wieder Farbe gseh laat.
Sabina
Leben - Eine Anthologie (Fortsetzung 2)
Schimmernde Streiflichter
Silbern glitzern Tropfen
bedecken unruhige Oberflächen.
Mein Blick unternimmt Wanderungen,
Unbekanntes zu betrachten.
Forschend suche ich deine Nähe zu erspüren.
Tastende Hände streben Dir entgegen,
Dir zu zeigen, was Glücklichsein bedeutet.
Wohltuend breitet sich Deine Anwesenheit aus,
ich atme deinen Duft ein.
Können Blumen und Vögel
solch ein Paradies noch veschönern?
Ich sinde ein
in strömende Geborgenheit.
Leis und sanft schwingt Deine Stimme,
setzt sich auf mein Ohr.
Mit meiner Seele lass ich mich fallen
und werde aufgerichtet zur gleichen Zeit.
Leicht und anmutig
möcht' ich schenken - alles was du brauchst.
Ich berühre Dich, erfahre Dich.
Merkst Du, wie ich Dich liebe?!
Markus Bösch (ehemaliger Mitkantischüler)
Äs Cherzli brännt, Musig lauft.
Ich möcht öpperem eifach chönne säge,
dass ich mich total allei fühle.
Scho wär ich's nümme.
Wo isch dä öpper won ich's chönnt säge?
Ich schrei's ii mich inne.
D' Musig lauft, d Cherze brännt ruhig.
Sie läbt.
Ich han Angscht sie uus z'blase.
Sabina
Silbern glitzern Tropfen
bedecken unruhige Oberflächen.
Mein Blick unternimmt Wanderungen,
Unbekanntes zu betrachten.
Forschend suche ich deine Nähe zu erspüren.
Tastende Hände streben Dir entgegen,
Dir zu zeigen, was Glücklichsein bedeutet.
Wohltuend breitet sich Deine Anwesenheit aus,
ich atme deinen Duft ein.
Können Blumen und Vögel
solch ein Paradies noch veschönern?
Ich sinde ein
in strömende Geborgenheit.
Leis und sanft schwingt Deine Stimme,
setzt sich auf mein Ohr.
Mit meiner Seele lass ich mich fallen
und werde aufgerichtet zur gleichen Zeit.
Leicht und anmutig
möcht' ich schenken - alles was du brauchst.
Ich berühre Dich, erfahre Dich.
Merkst Du, wie ich Dich liebe?!
Markus Bösch (ehemaliger Mitkantischüler)
Äs Cherzli brännt, Musig lauft.
Ich möcht öpperem eifach chönne säge,
dass ich mich total allei fühle.
Scho wär ich's nümme.
Wo isch dä öpper won ich's chönnt säge?
Ich schrei's ii mich inne.
D' Musig lauft, d Cherze brännt ruhig.
Sie läbt.
Ich han Angscht sie uus z'blase.
Sabina
Dienstag, 11. Oktober 2011
Leben - Eine Anthologie (Fortsetzung 1)
Das Karussell
Jardin du Luxembourg
Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.
Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur dass er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.
Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.
Und dann und wann ein weißer Elefant.
Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber -
Und dann und wann ein weißer Elefant.
Und das geht hin und eilt sich, dass es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil -.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel. . .
Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.
Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur dass er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.
Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.
Und dann und wann ein weißer Elefant.
Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber -
Und dann und wann ein weißer Elefant.
Und das geht hin und eilt sich, dass es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil -.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel. . .
Rainer Maria Rilke
Schäl mich aus mir,
Schale um Schale,
bis zum Kern.
Dort bin ich gut und klar.
Schäl mich aus mir,
aus Verhärtungs-Jahresringen,
aus dunklen Schichten
Ungeduld und Nicht-Lieben-können.
Schäl mich wund
und klar aus der Tiefe,
mein Sein verlasse
die lauten Schichten Eitelkeit
und werde wahr.
Erica Engeler
Die Wirklichkeit
Kannst du schlafen, lächelnde noch immer?
Willst du an meiner Brust der Zeit entfliehen?
Siehst du nicht des Nachts im kalten Schimmer
Meereswellen voll von Toten ziehen?
Siehst du Feuer nicht vom Himmel regnen?
Leugnest du den Schrei gequälter Brust?
Mus dir tausendfach der Tod begegnen
Ehe du der Wirklichkeit bewusst?
Lass mich ruhen, Liebster, lass mich bleiben
Selber muss ich mit den Wellen treiben,
Selber muss ich brennen, kommt die Zeit.
Heute nur mit jedem meiner Sinne
werde ich tiefer deines Wesens inne.
Dieses ist die Wirklichkeit.
Marie-Luise Kaschnitz
Das Schöne nicht mehr alleine ertragen können
Einer im andern eine Lampe anzünden
Max Bolliger
Es lebt nur,
wer nicht sich alleine lebt
Meander
Das Leben ist ein Geschenk,
das wir verdienen,
indem wir es hingeben
R. Tagore
....... Weitere Fortsetzung folgt
Donnerstag, 6. Oktober 2011
Leben - Eine Anthologie
Unsere Deutschlehrerin an der "Höheren Töchternschule" zu Frauenfeld, gab uns anno dazumal die Aufgabe, eine Anthologie zusammen zu stellen. Das Thema durften wir frei wählen, ich wählte "Leben". Einige Auflagen gabs, genau erinnere ich mich nicht mehr. Zwei bis drei Texte mussten selbst verfasst sein. Drei Monate hatten wir Zeit, die Aufgabe zu bewältigen. Ich erinnere mich gut, auf dem letzten Drücker arbeitete ich eine Nacht durch, mit einem Krug Kaffee in meinem Elternhaus. Ich war 19 Jahre alt.
zämegschtellti Gedicht und Tägscht
Februar 1980
Sabina

(Scanner ausgestiegen. Darum iPhone-Qualität)
Geniesse mässig Füll' und Segen,
Vernunft sei überall zugegen,
wo Leben sich des Lebens freut.
Dann ist Vergangenheit beständig,
das Künftige lebendig -
Der Augenblick ist Ewigkeit.
Goethe (Vermächtnis)
Lebenslied
Den Erben lass verschwenden
An Adler, Lamm und Pfau
Das Salböl aus den Händen
Der toten alten Frau!
Die Toten, die entgleiten,
Die Wipfel in dem Weiten –
Ihm sind sie wie das Schreiten
Der Tänzerinnen wert!
Er geht wie den kein Walten
Vom Rücken her bedroht.
Er lächelt, wenn die Falten
Des Lebens flüstern: Tod!
Ihm bietet jede Stelle
Geheimnisvoll die Schwelle;
Es gibt sich jeder Welle
Der Heimatlose hin.
Der Schwarm von wilden Bienen
Nimmt seine Seele mit;
Das Singen von Delphinen
Beflügelt seinen Schritt: Ihn tragen alle Erden
Mit mächtigen Gebärden.
Der Flüsse Dunkelwerden
Begrenzt den Hirtentag!
Das Salböl aus den Händen
Der toten alten Frau
Lass lächelnd ihn verschwenden
An Adler, Lamm und Pfau:
Er lächelt der Gefährten. –
Die schwebend unbeschwerten
Abgründe und die Gärten
Des Lebens tragen ihn.
Hugo von Hoffmannsthal
Warum meine Tochter
weinst du in der Dunkelheit?
Ach sprich nicht mein Kind,
ich höre den Wind,
den Wind...
Warum meine Tochter
flüsterst du in der Dunkelheit?
Du sehnst dich, mein Kind
nach Freiheit, nach Freiheit
des Windes...
Warum meine Tochter
fürchtest du dich vor der Dunkelheit?
Du hoffst auf Liebe, mein Kind,
und bist allein, allein
Heute, über 31 Jahre später berührt mich das sorgfältig, mit Tusche handbeschriebene Büchlein. Bestimmt würde eine heute zusammengestellte Anthologie anders aussehen. Aber in den Grundzügen bliebe sie dieselbe. Diese Berührung teile ich nun, peu à peu. Anthologie bloggen nennt sich das:
Leben
zämegschtellti Gedicht und Tägscht
Februar 1980
Sabina

(Scanner ausgestiegen. Darum iPhone-Qualität)
Geniesse mässig Füll' und Segen,
Vernunft sei überall zugegen,
wo Leben sich des Lebens freut.
Dann ist Vergangenheit beständig,
das Künftige lebendig -
Der Augenblick ist Ewigkeit.
Goethe (Vermächtnis)
Lebenslied
Den Erben lass verschwenden
An Adler, Lamm und Pfau
Das Salböl aus den Händen
Der toten alten Frau!
Die Toten, die entgleiten,
Die Wipfel in dem Weiten –
Ihm sind sie wie das Schreiten
Der Tänzerinnen wert!
Er geht wie den kein Walten
Vom Rücken her bedroht.
Er lächelt, wenn die Falten
Des Lebens flüstern: Tod!
Ihm bietet jede Stelle
Geheimnisvoll die Schwelle;
Es gibt sich jeder Welle
Der Heimatlose hin.
Der Schwarm von wilden Bienen
Nimmt seine Seele mit;
Das Singen von Delphinen
Beflügelt seinen Schritt: Ihn tragen alle Erden
Mit mächtigen Gebärden.
Der Flüsse Dunkelwerden
Begrenzt den Hirtentag!
Das Salböl aus den Händen
Der toten alten Frau
Lass lächelnd ihn verschwenden
An Adler, Lamm und Pfau:
Er lächelt der Gefährten. –
Die schwebend unbeschwerten
Abgründe und die Gärten
Des Lebens tragen ihn.
Hugo von Hoffmannsthal
Warum meine Tochter
weinst du in der Dunkelheit?
Ach sprich nicht mein Kind,
ich höre den Wind,
den Wind...
Warum meine Tochter
flüsterst du in der Dunkelheit?
Du sehnst dich, mein Kind
nach Freiheit, nach Freiheit
des Windes...
Warum meine Tochter
fürchtest du dich vor der Dunkelheit?
Du hoffst auf Liebe, mein Kind,
und bist allein, allein
wie der Wind...
Warum meine Tochter
bist du traurig und angsterfüllt?
Du, Du... Das Leben, das Leben...
Ohne Fragen, ohne Antworten
weht der Wind,
der Wind...
Paul Gisi: aus Isotope einer Sehnsucht
Fortsetzung folgt soon.
Warum meine Tochter
bist du traurig und angsterfüllt?
Du, Du... Das Leben, das Leben...
Ohne Fragen, ohne Antworten
weht der Wind,
der Wind...
Paul Gisi: aus Isotope einer Sehnsucht
Fortsetzung folgt soon.
Samstag, 17. September 2011
Letzte Woche im Twitter, was aus dem Stichwort Angst wurde
Angst.
@Feedforth Mut.
@filusable Interesse.
@Feedforth Machen.
@filusable Vagemutig.
@Feedforth Energiespender.
@filusable Hoffnung.
@Feedforth Antrieb.
@filusable Übermut.
@Feedforth Lebensfreude.
@filusable Lächeln.
@Feedforth Ansteckung.
@filusable Festigung.
@Feedforth Zufriedenheit.
@filusable Ruhe.
@Feedforth Zielerreichung.
@filusable Drehbuch.
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